Finkenwerder Jung schreibt Geschichte!

Ömer Okumus bei seinen Finalsieg in CORUM/Türkei
Ömer Okumus bei seinen Finalsieg in CORUM/Türkei

Neuer türkischer Jugendmeister kommt aus Finkenwerder

Der 14 Jahre alte Nachwuchskämpfer gewann in Corum bei Ankara alle sechs Kämpfe. Jetzt kann der Schüler auf weitere internationale Einsätze hoffen. 

Warten auf den Meister. In der Ankunftshalle des Hamburger Flughafens Fuhlsbüttel hatte sich eine kleine Gruppe mit Blumen versammelt. Der Vater war gekommen, der Onkel und Sefa, der zwei Jahre jüngere Bruder, Kemeal Turnagöl, ebenfalls einer der Boxer des TuS Finkenwerder. Auch Jimmy Jamal Abboud, der Präsident des Hamburger Amateur-Boxverbandes, wartete und sah immer wieder hoch auf Anzeigetafel. Der Flug TK 1561 aus Istanbul war gelandet. Und dann trat er endlich aus der Gepäckhalle, Ömer Okumus, 14 Jahre noch, mit dem Lächeln eines scheuen, freundlichen Jungen aber mit einem Faustschlag, an den sich jeder seiner Gegner im Ring noch lange erinnert. 

 

Der Schüler der Grund- und Realschule Sinstorf war am letzten Sonntag mit seinem Trainer Mecit Cetinkaya in die Türkei abgeflogen. Gestern kehrte Ömer als neuer türkischer Jugendmeister nach Finkenwerder zurück. Im vergangenen Jahr war er auch schon deutscher Vizemeister geworden.

„Bei Jugendmeisterschaften in der Türkei gibt es allein schon zahlenmäßig ein Aufgebot, wie wir das hier in Deutschland nicht mehr kennen“, sagte ein völlig übermüdeter, aber vor Stolz leuchtender Trainer Mecit Cetinkaya. „In der Halle in Corum, einer großen Stadt in der Nähe von Ankara, wurde morgens und abends in jeweils zwei Ringen gleichzeitig gekämpft“, sagte der Coach, „ganz sicher ein paar hundert Fights in der einen Woche. Und selbst ich dachte, diese starken, schon so erwachsenen Kerle müssen doch älter als 14 oder 15 Jahre sein.“

Schon der erste Gegner, mit dem sich der deutsche Vizemeister aus Finkenwerder auseinander setzen musste, sah aus wie ein Holzfäller. So jedenfalls beschrieb ihn Finkenwerders Boxchef. „Aber dann hat Ömer ein paar Mal kräftig zugelangt, und aus der Ecke des Gegners kam das Handtuch geflogen.“

Auf dem Weg ins Finale in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm schlug der Schüler von der grünen Insel sogar den noch amtierenden türkischen Meister aus dem Ring. Nach drei Siegen allerdings schien Ömer im Finale mit seinen Kräften am Ende zu sein. „Nach der zweiten Runde lagen wir mit vier Treffern eigentlich schon abgeschlagen zurück“, erzählt Trainer Cetinkaya. „Aber ich habe gesehen, dass mein Gegner müde war“, fährt Ömer Okumus fort. „Da habe ich mir gesagt, jetzt hau drauf. Und ich habe ihn getroffen, immer mit der Rechten, immer ins Gesicht. Körpertreffer haben die Punktrichter sowieso nicht gewertet.“

Sozusagen mit der letzten rechten Geraden hat sich der 14-Jährige den Meistertitel der Türkei gegriffen. Und die 1000 Zuschauer in der Halle haben den Jungen aus Deutschland enthusiastisch gefeiert.

Die quadratische Goldmedaille hat Ömer bei der Ankunft um den Hals gehängt. Daneben eine kleine Münze aus echtem Gold. „Die hat ihm ein wohlhabender Boxfreund geschenkt“, erzählt Mecit Cetinkaya. „Und 20 Hosen für unser Team hat er auch noch spendiert.“

In der Türkei war der Triumph des Nachwuchskämpfers aus Deutschland ohnehin ein großes Thema. „Zaman“, die auflagenstärkste Tageszeitung, hatte extra einen Reporter in die Ankunftshalle nach Fuhlsbüttel entsandt.

Ömer Okumus, Vizemeister in seinem Heimatland und Meister im Land seiner Eltern und Verwandten, kennt sich auch in Istanbul gut aus. „Ich habe im Sommer dort fünf Wochen Urlaub gemacht bei der Familie meines Vaters.“ Ali Okumus, der 1988 nach Finkenwerder kam und Kranführer auf der Sitas-Werft ist, hat im September beantragt, dass Ömer einen deutschen Pass erhält. Aber vielleicht bemüht sich jetzt der türkische Amateurbox-Verband um das Talent aus Finkenwerder.
 

 

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